Kirche der Zukunft – Wie sich die katholische Kirche neu aufstellt

Der Veränderungsprozess der Diözese Rottenburg-Stuttgart und seine Umsetzung im Dekanat Rems-Murr

Kirche im Wandel: Ausgangslage und Ziel des Prozesses
Die katholische Kirche steht vor tiefgreifenden gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen. Sinkende Mitgliederzahlen, demografische Verschiebungen, rückläufige Kirchensteuereinnahmen sowie ein zunehmender Mangel an pastoralen Mitarbeitenden stellen die kirchliche Arbeit vor große Herausforderungen. 

Vor diesem Hintergrund hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart im Jahr 2025 einen umfassenden Entwicklungsprozess unter dem Titel „Kirche der Zukunft“ gestartet. 

Ziel ist es, kirchliches Leben und seelsorgliche Präsenz auch unter veränderten Rahmenbedingungen langfristig tragfähig, verlässlich und nah bei den Menschen zu gestalten. Dazu beschloss der Diözesanrat im November 2025 wesentliche Eckpunkte für das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“.

Neue Strukturen für die Seelsorge
Bei dem zentralen Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ steht die Frage im Mittelpunkt, wie pastorale Arbeit, Leitung und Verwaltung künftig gestaltet werden können, wenn Ressourcen knapper werden und die bisherigen Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Der Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie der Bischof haben hierzu verbindliche Beschlüsse gefasst, die den Rahmen für die kommenden Jahre vorgeben.

Ein wesentliches Ziel ist die Bildung größerer pastoraler Einheiten, sogenannter Raumschaften. Perspektivisch sollen aus den derzeit über 1.000 Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart rund 50 bis 80 solcher Raumschaften entstehen, die dann jeweils eine Kirchengemeinde bilden. Nach aktueller Einschätzung ist im Dekanat Rems-Murr künftig mit zwei bis maximal drei Raumschaften zu rechnen, die sich an der kommunalen Raumplanung orientieren. Die bisherigen Kirchen-gemeinden bleiben als kirchliche Orte auch weiterhin wichtige Anlaufstellen für die Seelsorge, Begegnung und Engagement, werden jedoch stärker miteinander vernetzt.

Beratungen und Beteiligung im Dekanats Rems-Murr
Nach einer diözesanweiten Informations- und Beteiligungsphase beginnt nun im Dekanat Rems-Murr die Phase der Beratungen vor Ort in den Kirchengemeinden. Dabei sind die Kirchengemeinderäte eingeladen, sich mit den diözesanen Kriterien für eine zukünftige Struktur auseinanderzusetzen. Grundlage der Beratungen bilden die Kriterien der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die unter anderem pastorale Erreichbarkeit, gewachsene Beziehungen, räumliche Nähe, kommunale Strukturen und bestehende Kooperationen berücksichtigen.

In der ersten Phase der Beratungen geht es ausdrücklich noch nicht um endgültige Entscheidungen zur Raumschaft oder deren Umsetzung. Ziel ist es vielmehr, begründete Skizzen und Vorschläge zu erarbeiten, die innerhalb der vorgegebenen diözesanen Rahmenbedingungen möglich sind. „Vor Ort sollen nun erste Überlegungen angestellt werden, wie tragfähige Strukturen für die Zukunft aussehen könnten. Dieser Prozess braucht Zeit, Austausch und sorgfältige Abwägung“, wie Dekan Wolfgang Kessler betont.

Diese Vorschläge werden im April 2026 auf Dekanatsebene zusammengeführt und in den weiteren diözesanen Entscheidungsprozess eingebracht. Innerhalb dieses Rahmens gibt es vor Ort Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere mit Blick darauf, wie die neuen Strukturen konkret ausgestaltet und mit Leben gefüllt werden. 

Ein besonderes Augenmerk liegt im Dekanat Rems-Murr auf einer transparenten Information über den laufenden Prozess. Ergänzend zu den Beratungen in den kirchlichen Gremien sind vor Ort Gemeindeversammlungen vorgesehen, in denen die Hintergründe und Ziele sowie der zeitliche und inhaltliche Rahmen des Strukturprozesses erläutert werden. Diese Versammlungen bieten Gelegenheit für Rückfragen und Rückmeldungen aus den Gemeinden. Ziel ist es, die anstehenden Veränderungen transparent und nachvollziehbar zu machen und so eine gemeinsame Grundlage für das Verständnis und die Entscheidungen zu schaffen.

Zeitplan und Ausblick
Nach weiteren Rückmeldungen und Beratungen von Mai bis Juli werden im Herbst 2026 in den diözesanen Gremien die Voten zur Umschreibung der Raumschaften beraten und im November nach dem Beschluss des Diözesanrats durch den Bischof in Kraft gesetzt.

Parallel zum Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“ arbeiten weitere Projekte im Gesamtprozess „Kirche der Zukunft“ an Themen wie der nachhaltigen Nutzung kirchlicher Gebäude, der Digitalisierung von Verwaltungsabläufen und der langfristigen finanziellen Absicherung kirchlicher Arbeit.

Der Prozess „Kirche der Zukunft – Seelsorge in neuen Strukturen“ wurde im Jahr 2025 von Bischof Dr. Klaus Krämer gemeinsam mit dem Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart initiiert. Der Diözesanrat als oberstes gewähltes Laiengremium hat dem eingeschlagenen Weg mit großer Mehrheit zugestimmt und die zentralen Eckpunkte beschlossen. Ziel ist es, eine Kirche zu gestalten, die auch unter veränderten Bedingungen handlungsfähig bleibt, ihren pastoralen Auftrag ernst nimmt und sich den Herausforderungen der Gegenwart verantwortungsvoll stellt.

Der Weg dorthin ist anspruchsvoll und verlangt allen Beteiligten Offenheit, Geduld und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ab. Zugleich bietet der Prozess die Chance, kirchliches Leben neu zu denken, Schwerpunkte zu setzen und Kirche auch künftig als verlässlichen Teil des gesellschaftlichen Lebens im Rems-Murr-Kreis zu erhalten.

Pressemitteilung des Dekanats Rems-Murr