Geschichte des Dekanats Rems-Murr

Das katholische Dekanat Rems-Murr wurde 2006 gegründet, zuvor gab es die Dekanate Backnang und Waiblingen. Die gegenwärtige Struktur entspricht dem politischen Rems-Murr-Kreis.
Im Dekanat leben 76500 Katholikinnen und Katholiken in 27 Kirchengemeinden und sieben muttersprachlichen Gemeinden, was einem Bevölkerungsanteil von ca. 18 Prozent entspricht.
Das war nicht immer so. Zur Zeit der Reformation wurde das Gebiet evangelisch und blieb es mehrheitlich bis 1945, als ein großer Anteil katholischer Vertriebener im Remstal eine neue Heimat fand.

Christliche Anfänge im Rems-Murr-Kreis und Kloster Murrhardt
Das Christentum wurde Mitte des 6. bis Mitte des 7. Jahrhunderts nach Südwestschwaben gebracht. Wie in anderen Gebieten auch, versuchten irisch-schottische Mönche die Menschen für den christlichen Glauben zu gewinnen.
Im Frühmittelalter waren Klöster das Zentrum christlichen Glaubens und für unsere Region sind die Klöster Murrhardt und Lorch besonders hervorzuheben. Die Klöster prägten die Region und waren nicht nur religiöse Zentren, sondern auch bedeutende Orte der Bildung, Kunst und Landwirtschaft. Das Kloster Murrhardt wurde im Jahr 817 vom Benediktiner-Abt Walterich gegründet und entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem wichtigen Zentrum des monastischen Lebens.

Die Reformation: Ein Wendepunkt
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert erlebte die Kirche einen tiefgreifenden Einschnitt. Herzog Ulrich von Württemberg führte 1534 die Reformation ein, wodurch der Protestantismus zur dominierenden Konfession in der Region wurde. Viele Klöster wurden aufgelöst und die katholische Kirche verlor an Einfluss.

Dreißigjähriger Krieg: Not und Chaos
Die Zeit des Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) war von Zerstörungen, großer Not und Plünderungen geprägt.
Im Jahr 1622 eroberte der katholische Feldherr Tilly die Stadt Waiblingen, was zunächst die katholische Kontrolle über die Region festigte. Auch die Schlacht bei Nördlingen (1634), eine der wesentlichen Schlachten des 30jährigen Kriegs mit bedeutenden Folgen für den weiteren Kriegsverlauf, endete mit einem Sieg der von Spanien unterstützten katholischen Truppen über die von Schweden unterstützten protestantischen Truppen.
Mit dem Ende des Krieges im Jahr 1648 und dem Westfälischen Frieden wurde die religiöse Landschaft in der Region neu geordnet. Das Gebiet des heutigen Rems-Murr-Kreises wurde evangelisch, der katholische Glaube spielte für einige Jahrhunderte nur eine untergeordnete Rolle.

Das 19. Jahrhundert: Wiederbelebung und Wachstum
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert kamen viele Menschen aus katholischen Regionen, insbesondere aus dem Südwesten Deutschlands und dem benachbarten Ausland, in den Rems-Murr-Kreis. Dadurch wuchsen die katholischen Gemeinden wieder an. Neue Kirchengemeinden wurden gegründet, z. B. St. Antonius in Waiblingen.

Nach 1945: Integration von Vertriebenen und Zuzug von Katholiken anderer Muttersprache
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Zahl der Katholiken rapide an. Vertriebene aus Schlesien, dem Sudetenland und anderen ehemals deutschen Ostgebieten ließen sich in Städten und Dörfern des Rems-Murr-Kreises nieder.
Katholische Gottesdienste fanden zunächst in vielfach in evangelischen Kirchen oder in provisorischen Räumlichkeiten statt. Nach und nach wurden katholische Kirchengemeinden gegründet und zahlreiche neue Kirchengebäude errichtet.
1949 wurde das Dekanat Waiblingen gegründet, dessen Gebiet in etwa dem heutigen Rems-Murr-Kreis entspricht. Aufgrund weiter wachsender Katholikenzahlen kam  es 1970 zur Abtrennung der Gebiete rund um Backnang, die dann das eigenständige Dekanat Backnang bildeten.
Seit den 1950er Jahren und insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren bereicherte außerdem der Zuzug katholischer Christen anderer Muttersprache, vor allem aus Italien, Polen und Kroatien das Glaubensleben.Im Zuge der Angleichung der Dekanate in der Diözese Rottenburg-Stuttgart an die Landkreise gingen die Dekanate Waiblingen und Backnang im Jahr 2006 im heute noch bestehenden Dekanat Rems-Murr auf.